27 Felix Remter, Jonas Maria Ried
Velutina und der Kehrubin
„Und er trieb die samtige Hornisse hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Kehrubin mit dem flammenden Kärcher und dem donnernden Laubbläser, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.” (Gen 3,24)
Der Garten Eden liegt heute in der Stadt. Parks, Brachen, Hinterhöfe und Balkone sind zu Zufluchtsorten für viele Arten geworden, die wir schützen wollen. Und wie im Garten Eden ist es der Mensch, der hier pflegen, ordnen und entscheiden soll.
In Kempten haben die Wächter des Gartens modernes Gerät: Laubbläser, Motorsense, Abflammbrenner — die Werkzeuge, mit denen wir heute entscheiden, was in einen Garten gehört und was nicht.
Bezugspunkt ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), eine sogenannte invasive Art, die gerade im Allgäu ankommt. Über ihre Bekämpfung wird derzeit heftig gestritten. Der Umgang mit ihr ist keine rein ökologische Frage, sondern auch eine kulturelle und politische — sie verhandelt, wem Zugehörigkeit zugestanden wird und wer als Bedrohung der Heimat gilt.
Dreimal im Lauf des Abends zieht eine Prozession durch die Stadt. Wer mag, schließt sich an und folgt den Kehrubin bis in den Stadtpark, zu einem Baum. Dort beginnt eine Performance, in der die Anwesenden gemeinsam aushandeln, wo die Grenze zum Paradiesgarten verläuft, wer sie zieht und wie lange sie hält.
- 19:30, Prozession
- 21:00, Prozession
- 22:30, Prozession
Stadtpark